Hirnstimulator hilft aus Bewusstlosigkeit

Wachkoma-Patienten sind offenbar nicht immer zu hoffnungsloser Bewusstlosigkeit und Kommunikationsunfähigkeit verdammt, auch wenn sie unter Umständen schon jahrelang an ihrem appallischen Syndrom leiden und keine Besserung zeigen. Ein Patient, der fünfzehn Jahre bewusstlos im Bett lag, wurde von französischen Forschern mit Hilfe eines Vagus-Nerv-Stimulators behandelt, wie man ihn gelegentlich bei schwerstkranken Epilepsie- und Depressionspatienten anwendet. Der Vagus-Nerv ist der längste Nerv, der große Teile des Gehirns unter anderem auch mit dem Verdauungstrakt verbindet.

Durch die Stimulation des Vagus-Nervs an der Hüfte zeigte der Wachkoma-Patient zum ersten Mal wieder neurologische Verbesserungen, die auf ein erweitertes Bewusstsein hindeuten. Die Augen des Patienten reagierten auf äußere Reize. Der Patient zeigte auch Regungen, sobald er Musik hörte, und wenn man ihn bat zu lächeln, bewegten sich seine Wangen. In einem PET-Hirnscanner konnte nach der Vagus-Nerv-Stimulation eine erhöhte Stoffwechselaktivität nachgewiesen werden, und zwar im Großhirn genauso wie in darunter liegenden Hirnschichten.

In der Zeitschrift „Current Biology“ werteten die Mediziner die Verbesserungen „in der Präsenz des Patienten“ als hoffnungsvolles Zeichen, dass die Plastizität und die Reparaturfähigkeit des Gehirns auch nach schwersten Hirnschädigungen und jahrelanger Bewusstlosigkeit noch erhalten bleibt“.

Auf dem EEG, das die Theta-Wellen aufzeichnet und als Instrument für die Einordnung des Bewusstseinszustandes genutzt wird, waren deutliche Verbesserungen erkennbar, wodurch der Patient auf der Koma-Skala von 23 möglichen Stufen auf zehn (statt bisher fünf) gehoben wurde.